Die Notbremsung
Der Morgen war mild und die Stadt erwachte mit dem ersten Rascheln des Herbstlaubs. Tom, Jason und Patrick hatten gestern kaum ein Auge zugedrückt, denn der Gedanke an das Auswärtsspiel gegen den Erzrivalen im Süden ließ ihre Herzen schneller schlagen als der Wecker. In den Korridoren ihrer WG vibrierte die Vorfreude wie ein unsichtbares Trikot, das sie überall trug.
Tom schnallte sich den Rucksack fest, der gefüllt war mit jeder Menge Bier, einigen Snack-Riegeln und Regencapes – in weiser Voraussicht, in Erinnerung an ihr letztes Spiel, bei dem es plötzlich wie aus Eimern geschüttet hatte. Patrick prüfte die Tickets, die er wie kleine Wunderwerke in seiner Hosentasche aufbewahrte, als ob jedes Stück Papier die Macht habe, das Schicksal zu lenken. Jason arbeitete am Chaos der Planung: Er hatte eine App geöffnet, die Bahnverbindungen, Tankstellen und Pausenorte anzeigte, sodass kein Meter der Reise dem Zufall überlassen blieb.
Sie trafen sich um kurz vor acht am Hauptbahnhof, wo der Morgen schon in einen geschäftigen Rhythmus überging. Die Bahn, ein alter Kasten mit mehr Knarren als modernen Funktionen, ließ sich schwerfällig anklingen, doch das Trio ließ sich davon nicht stoppen. Mit lauter Musik in den Kopfhörern, die nicht nur sie verstehen mochten, stiegen sie ein und fanden erst einen vollen Wagen, dann einen anderen, bis sie schließlich eine leere Vierersitzgruppe im letzten Abteil fanden – perfekt, um gemeinsam zu lachen, zu scherzen und die Statusmeldungen des Lieblingsvereins zu diskutieren.
Auf der Fahrt erzählte Tom, wie er im Training den Freistoß trainierte, als hätte er eine unsichtbare Mauer aus Verteidigern vor sich. Jason erklärte, wie er jede Station der Stadtrundfahrt im Süden schon in Gedanken durchlaufen hatte, um das Stadion aus jeder Richtung zu sehen, als wäre es eine vertraute Landschaft. Patrick sprach von der ersten Chance des Spiels, von der Strategie, die der Trainer skizziert hatte, und davon, wie das Team zusammenhalten musste, um die harte Partie zu überstehen.
Draußen zogen Felder und kleine Dörfer vorbei und die Sonne malte goldene Streifen auf das Fenster. Sie gingen kurz in den Bistrowagen, um Kaffee zu holen, die Luft roch nach frischem Gebäck und Abenteuer. Sie schworen sich, heute einen tollen Tag zu verbringen und aufeinander aufzupassen, insbesondere wenn die Stimmung hochkochte und sich gegenseitig zu unterstützen, egal wie das Spiel ausging.
Wieder auf ihren Plätzen, ließen sie die nächsten Kronkorken knallen und sprachen über die letzten Spiele und Aufstiegschancen. Auch andere Fans befanden sich im gleichen Abteil, man grüßte sich lautstark über das ganze Zugabteil hinweg und es fielen die ersten Sprüche und Pöbeleien gegen einzelne, gegnerische Fans. Es war eine kurze, aber deutliche Veränderung in der Atmosphäre des Abteils zu spüren. Die Kronkorken klapperten, doch diesmal mischte sich auch ein leichter Hauch von Aufregung unter die Gespräche – die Stimmung war dicht und laut. Plötzlich drehte sich eine ältere Frau im Sitz gegenüber zu ihnen um, runzelte die Stirn und hob die Stimme: „Könnt ihr bitte etwas leiser sein? Ich möchte hier einfach nur ruhig Zugfahren.“ Neben ihr nickte ein jüngerer Mann zustimmend und fügte hinzu: „Ihr fegt ja gerade die ganzen Bahnpläne weg mit eurem Jubel.“ Die Lautstärke erhöhte sich; andere Passagiere begannen zu murren oder zu schmunzeln, je nachdem, wie sehr sie selbst in der Stimmung waren.
Der Zugbegleiter, ein Mann Mitte Fünfzig mit glänzenden Abzeichen und einem dienstbeflissenen und bestimmten Auftreten, machte sich von der gegenüberliegenden Ecke aus in Richtung ihrer Sitzgruppe auf. Seine Schritte waren ruhig, doch die Stimme, die er erhob, hatte eine klare Autorität: „Guten Tag, meine Herren. Wir befinden uns hier in einer öffentlichen Verkehrssituation. Bitte halten Sie den Geräuschpegel so, dass andere Fahrgäste nicht gestört werden.“ Er sah die drei Freunde direkt an, ohne zu schielen oder zu lachen. „Könnt ihr eure Stimmung etwas leiser zeigen? Wir haben auch andere Passagiere, die ihre Ruhe brauchen.“
Tom, Jason und Patrick reagierten unterschiedlich: Tom senkte den Blick, ein wenig verlegen, und nickte kurz; Jason hob eine Augenbraue, wechselte den Fokus auf das Fenster und spielte kompakt mit dem Deckel seines Biers, als wolle er zeigen, dass er die Situation registriert hatte. Patrick atmete tief durch, klopfte sich einmal leicht auf den Oberschenkel und sagte dann provokant und mit einem Augenrollen: „Schon gut, chill mal, Alter.“ Ein älterer Mann, in der Sitzgruppe nebenan, schüttelte den Kopf. „So was hätte es zu meiner Zeit nicht gegeben, kein Respekt mehr die jungen Leute. Bei uns herrschte früher noch Zucht und Ordnung.“ Der Zugbegleiter hob eine Augenbraue und räusperte sich, bevor er antwortete. „Ich möchte, dass alle Fahrer und Fans hier sicher ankommen. Falls es weiter Probleme gibt, müssten wir die Situation melden. Verstanden?“ Die drei nickten, johlten aber im nächsten Moment los und rissen weitere Sprüche, sobald der Zugbegleiter außer Hörweite war. Sie lachten laut, tranken wieder aus ihren Flaschen und machten sich bereit, die Fahrt zum Stadion mit mehr Energie zu füllen. Tom, Jason und Patrick spürten, wie die Nähe zum Ziel die Luft noch dichter machte, und die Worte des Zugbegleiters klangen in ihren Ohren wie eine Mahnung – auch wenn die Aufregung in ihnen brodelte.
Jason rollte mit den Schultern, hob die Flasche ein Stück höher und grinste: „Okay, wir halten uns erstmal an die Regeln. Aber ein kleines Spielchen schadet nie.“ Tom schüttelte den Kopf, doch seine Lippen brachen in einem breiten Grinsen. Patrick, dessen Augen immer wieder zum Fenster wanderten, sah plötzlich eine Idee auftauchen, die in seiner Stimme eine Spur von Wahnsinn trug: „Mutprobe, was sagt ihr?“ Die anderen überlegten: „Warum nicht.“ Der Plan nahm Form an, während der Zug weiter rollte. Sie wählten eine Notbremsung als “Mutprobe”: Einer von ihnen würde heimlich die Notbremse betätigen, wenn sie auf der Höhe des Stadions wären, an dem die Bahn direkt vorbeifahren würde. Wenn sie dort aussteigen würden, könnten sie sich den weiten Weg vom Bahnhof zum Stadion sparen, so der Plan. Bevor das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden konnte, trat der Zugführer erneut vor, um sicherzustellen, dass alles in Ordnung war. Die drei nickten, spielten wieder das freundliche, unbeschwerte Gesicht, doch in ihren Augen glomm die Spannung der gemeinsamen Idee.
Am Rand der Stadt sahen sie schließlich das Stadion: eine Halle aus Beton, die mit Fahnen und bunten Bannern geschmückt war. Kurz zuvor hatten sie noch überlegt, ob Tom, Jason oder Patrick, die Mutprobe antreten sollten. Die Lösung: Stein, Schere, Papier. Sie zählten laut mit, wer gerettet wäre, wer antreten musste. Das Los traf Jason. Er war derjenige, der am ehesten stark wirkte. Jason grinste, fuhr sich durch die Haare und nickte: „Okay, ich nehme es an.“ Die anderen applaudierten grölend und Tom fügte hinzu: „Dann los Alter, auf geht’s!“
Unauffällig erhob sich Jason von seinem Platz und ging hinüber zur Tür. Mit einem gezielten Knopfdruck, aktivierte er die Sicherheitseinrichtung des Zuges, um den Zug sofort zu stoppen. Es gab einen festen Ruck und mit quietschenden Bremsen kam der Zug zum Stehen. Jason hatte nicht mit so einer Wucht gerechnet und fiel zu Boden, auch einige andere Mitfahrende stürzten, Gegenstände flogen herum und das Chaos brach aus. Als Jason sich aufgerappelt hatte, kamen ihm Tom und Patrick bereits entgegen gestolpert und betätigten den Schalter zum Öffnen der Türen. „Man, Alter, das hat aber ganz schön gerumst. Bloß schnell weg hier.“ Zu ihrer Überraschung öffneten sich die Türen nicht. ‚Was zur Hölle!‘, dachte Patrick und betätigte den Knopf erneut, doch die Tür blieb verschlossen. Die drei wussten nicht, dass der Zug nach einer Notbremsung in der Regel erst geprüft und freigegeben werden musste, bevor es anschließend bis zum nächsten Bahnhof weiter ging. Die Passagiere durften erst weiterfahren, wenn alle Sicherheitsvorkehrungen erfüllt waren.
Plötzlich hörten sie eine bekannte, tiefe Stimme hinter sich: „Dachte ich es mir doch! Was habt ihr an der Tür zu suchen?“ Langsam blickten die drei sich um und erschraken, als sich der Zugbegleiter vor ihnen aufbaute. „Ähm, naja, wir haben doch gehalten, da dachten wir, wir könnten auch gleich hier aussteigen.“, antwortete Patrick und zuckte mit den Schultern. „Und frische Luft schnappen.“, fügte Jason schnell hinzu. „Daraus wird nichts, es muss erst geprüft werden, wer und warum die Notbremsung ausgeführt wurde. Wart ihr das?“, fragte der Zugbegleiter weiter. „Nein, niemals …“, begann Tom, doch er wurde jäh von dem älteren Herrn von vorhin unterbrochen. „Das ist gelogen, ich habe genau gesehen, wie der da zur Tür lief und im nächsten Moment quietschten die Bremsen.“, wetterte er und zeigte auf Jason. Dieser errötete und stammelte. „Ich? Nein, das war ich nicht. Wie wollen Sie das von dahinten aus gesehen haben?“ Jetzt mischte sich der junge Mann ein. „Aber ich habe dich auch gesehen und meine Augen sind bestens.“, versicherte er und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wegen dir verpassen wir jetzt alle den Spielbeginn!“
„Ja, genau, nur weil du sowas hier abziehst!“, murrten auch andere Fußballfans und die Stimmung heizte sich immer weiter auf. „Was? Wieso?“, rief Jason bestürzt aus. „Na das ist doch ganz einfach. Erst wenn der Zug freigegeben wird, geht es irgendwann weiter. Das kann dauern, ihr könnt auf jeden Fall mit einer Verspätung rechnen, bevor wir weiterfahren.“, informierte sie der Zugbegleiter. „Aber das, das geht doch nicht…“, ereiferte sich Patrick. „In einer halben Stunde beginnt das Spiel. Die Karten waren teuer!“ Der Zugbegleiter zuckte unbeeindruckt mit den Schultern. „Daran hättet ihr vorher denken müssen. Erstmal rufen wir jetzt die Polizei und dann werden die mit euch weiter verfahren. Das Spiel könnt ihr vergessen!“ Erschrocken sahen sich die drei an. „Die Polizei? Nein, bitte nicht. Können wir das nicht anders regeln?“, bat Tom. „Wir dachten, doch nur das wir ein bisschen Zeit einsparen und hier aussteigen können.“ Ungläubig sah ihn der Zugbegleiter an. „Wie bitte? Und dafür macht ihr eine Notbremsung? Wisst ihr wie gefährlich das ist? Da hätte sonst was passieren können. Wie kann man nur so blöd sein?“, polterte er los. Ein Raunen ging durch das Abteil, viele Leute schüttelten den Kopf und machten ihrem Ärger Luft. Beschämt senkten die drei die Köpfe, als der ältere Herr von vorhin sich erneut zu Wort meldete. „Zu meiner Zeit hätte man uns den Hosenboden stramm gezogen für so einen Unfug!“ Und andere stimmten ihm eifrig zu. „Ganz genau! Das wäre jetzt angebracht! So viel Dummheit muss bestraft werden!“ Der Zugbegleiter schüttelte den Kopf. „Schon gut, schon gut, ich rufe jetzt die Polizei.“, versicherte er und versuchte so die aufgebrachte Menge im Zug zu beruhigen. „Bitte nicht die Polizei!“, bettelten jetzt Patrick, Jason und Tom einstimmig. „Das ist doch nicht notwendig.“
„Oh doch oder denkt ihr, ich lasse euch einfach gehen. Strafe muss sein.“, erklärte der Zugbegleiter bestimmt und sah die beiden an. „Aber wenn wir sie selbst bestrafen, wäre dem Ganzen doch Genüge getragen und wir könnten weiterfahren. Das wäre doch eine Idee, oder?“, fragte der junge Mann nach, der Jason gesehen hatte. Der Zugbegleiter überlegte kurz, doch als die Stimmen wieder lauter wurden, besonders von den Fußballfans, die einen Großteil der Passagiere heute ausmachten, stimmte er schließlich zu. „In Ordnung, wenn ihr einer anderweitigen Strafe zustimmt, lege ich das Diensthandy wieder zur Seite und vergesse den Vorfall. Aber nur dann, sonst halte ich den normalen Dienstweg ein.“
„Los Jungs, einen ordentlichen Hinternvoll habt ihr mehr als verdient und danach können wir alle das Fußballspiel genießen!“, ermutigte sie der junge Mann sich schnell zu entscheiden. Unentschlossen sahen sich die drei an, doch die immer lauter werdenden Zurufe der anderen und die drohende Anzeige bei der Polizei ließen ihnen keine andere Wahl. Also stimmten sie zu. Sofort ergriff der junge Mann Jason und zog ihn mit sich hinüber zur Vierergruppe. Andere Passagiere machten Platz, sodass dieser sich setzen konnte und Jason über seinen Schoß zog. Der Zugbegleiter tat es ihm nach und packte Patrick am Ohr, um ihn mit sich auf den nächsten freien Platz zu bugsieren. Bevor er reagieren konnte, landete er über dem Knie des kräftigen 50jährigen, der den frechen Spruch von vorhin nicht vergessen hatte. Und auch Tom erging es nicht besser, mit einem breiten Grinsen kam der ältere Herr auf ihn zu und beförderte ihn flugs über sein Knie. Ungläubig sah Tom hinüber zu Jason und Patrick, die mit hochgestreckten Hintern und auf dem Boden abgestützten Händen, wie in Schockstarre über den Knien hingen. Und schon ging es los.
„Gebt es ihnen! Aber richtig!“ Angefeuert von den Zurufen aus den hinteren Reihen, besonders von den Fußballfans, begannen die drei dem Trio den Hintern zu versohlen, dass es nur so klatschte. ‚Autsch, tut das weh!‘, dachte Tom. So viel Kraft hatte er dem Alten gar nicht zugetraut und auch Patrick und Jason waren überrascht von der Wucht der Schläge. Besonders der Zugbegleiter legte sich ordentlich ins Zeug, um dem frechen Bengel vor sich eine Lektion zu erteilen, die er nicht so schnell vergessen würde, besonders in Sachen Respekt. Schon nach kurzer Zeit wurden die pausenlosen Schläge immer unangenehmer und verursachten ein nicht gekanntes Brennen auf ihren Hinterteilen. „Au! Autsch!“, stöhnte Tom, als der Alte angefeuert durch die Meute drum herum immer schneller und fester zuschlug. Auch Patrick keuchte bereits über dem Schoß des Zugbegleiters und wand sich hin und her, während er immer wieder schmerzerfüllt den Kopf herumwarf, wenn dieser mehrmals die gleiche Stelle hintereinander bearbeitete. Und auch Jason erging es nicht besser, der junge Fußballfan schonte ihm nicht und schlug überaus schwungvoll mit gleichbleibender hoher Intensität auf seinen Hintern ein. „Jauuu!“, jaulte Jason auf, als er am Oberschenkel getroffen wurde und versuchte seinen Hintern zu schützen. Jedoch ohne Erfolg, denn sein Arm wurde einfach auf seinem Rücken fixiert, während die Schläge weiterhin auf ihn einprasselten.
So vergingen einige Minuten, bevor die ersten Rufe der Meute losgingen, dass ein Hinternvoll auf den Blanken erfolgen sollte, sonst würde er nicht wirken. Bevor die drei wussten wie ihnen geschah, wurden ihnen auch schon durch viele zusätzliche Hände die Hosen, samt Unterhosen bis zu den Kniekehlen hinuntergezogen und dann ging es munter weiter. Jetzt kam Leben in die drei Hinterteile. Alle drei stöhnten und jammerten unter den sengenden Hieben und wanden sich. „Au!“, „Oh!“, „Aaah!“, überschlugen sich ihre Stimmen und die Menge johlte. „Weiter so!“, „Da geht noch mehr!“, „Immer feste drauf!“
„Aah, bitte nicht mehr!“, jammerte Tom und versuchte sich zu befreien, doch ohne Erfolg. Im Gegenteil, der Alte schlug nur noch fester zu und bearbeitete mit fester Hand seine Sitzfläche, die bereits rot leuchtete, wie eine Tomate. Patrick erging es ähnlich. Der Zugbegleiter schonte ihn nicht. Ungeachtet seines Wehklagens und Gezappels bearbeitete er weitausholend seine bereits kirschroten Backen, die unter den kräftigen Hieben wackelten und zitterten. Auch die Flanken und den Poansatz ließ er nicht aus, was Patrick jedes Mal noch eine Oktave höher jammern ließ. Am schlimmsten aber traf es Jason, dessen Kehrseite bereits tiefrot leuchtete bis einen Handbreit unter die Pobacken. „Wenn ich wegen dir das Spiel verpasse! Dann gnade dir Gott!“, zischte ihm der junge Bahnfahrer zu und verpasste ihm eine schnelle Salve von Schlagen, dass ihm hören und sehen verging. „Aaah! Bitte! Auhuhuhu! Bitte das tut weh!“, jaulte er in den höchsten Tönen, unfähig der festen Hand seines Peinigers zu entkommen. „Gut so, das soll es auch!“, antwortete der junge Fußballfan gepresst und schwer atmend. „Bitte nicht mehr! Aufhören! Das reicht doch!“, lamentierte auch Patrick immer lauter.
Langsam wurde dem Zugbegleiter der Arm lahm und er sah hinüber zum Alten und dem jungen Fußballfan. Auf ein zustimmendes Nicken ließen sie langsam die Arme sinken. „Das wurde aber auch Zeit!“, ereiferte sich Patrick. „Alter, das brennt vielleicht!“ Und rieb seinen Hintern. „Der hat ja immer noch so eine große Klappe!“, vernahm er plötzlich hinter sich. „Weitermachen!“, „Ja, genau weitermachen!“, wurden die Stimmen um ihn herum lauter. ‚Oh nein!‘, dachte sich Patrick und auch Jason und Tom warfen ihm böse Blicke zu. Da ergriff der Alte das Wort: „Wenn ich einen Vorschlag machen dürfte, würde ich jetzt zum Gürtel greifen, um ihm Respekt einzuflößen.“ Die Menge stimmte lautstark zu und die Stimmung im Abteil kochte. „Gürtel!“, „Gürtel!“, „Gürtel!“ Und so kam es, wie es kommen musste. Flugs wurden die drei aufgefordert sich zu erheben und sich auf die Sitzbank zu knien, den Hintern weit herausgestreckt und mit den Händen am Kopfteil. Die anderen Passagiere räumten die Plätze, sodass sich der Alte, der Zugbegleiter und der junge Mann neben ihnen aufstellen konnten und genug Platz hatten, um ordentlich Schwung holen zu können mit dem Gürtel.
Auf ein Zeichen hin, holten sie gleichzeitig aus und verpassten den drei Delinquenten den ersten Schlag auf die bereits glühenden Hinterteile. Ein lautes Klatschen war ihm Abteil zu hören, begleitet von einem Raunen der Meute, die sich dicht um die Vierergruppen drängte, um dem Schauspiel zuschauen zu können. Jason zuckte zusammen und kniff mit schmerzverzerrtem Gesicht, die Augen zusammen. „Aaaah!“, schrie Tom auf und bog den Rücken nach hinten durch. Auch Patrick ließ, überrascht von der Wucht des Schlages die Sitzlehne los und hielt seinen pochenden Hintern. „Hände nach vorn!“, rief der Alte und sofort halfen andere Passagiere, ergriffen Patricks Handgelenke und zogen diese nach vorn, so dass er automatisch den Hintern noch weiter herausstreckte. Auf ein weiteres Kopfnicken hin, erfolgte der zweite Schlag und alle drei stöhnten schmerzgeplagt laut auf. Auf ihren Hinterteilen waren deutlich zwei dicke, rote Streifen über ihren an sich bereits roten Sitzflächen zu erkennen. So ging es Schlag auf Schlag und die Schmerzenslaute der drei wurden immer lauter. Mittlerweile wurden auch Tom und Jason von mehreren der Umstehenden an den Armen festgehalten und waren unfähig den harten Hieben zu entkommen. „Aaah, oh, bitte nicht mehr!“, bettelte Tom verzweifelt und auch Patrick bat um Verzeihung. „Es tut uns leid! Wirklich! Wir haben unsere Lektion gelernt!“ Doch erst nach etwa 10 weiteren Schlägen waren sie endlich erlöst und zogen sich schnell die Unterhosen und Hosen über die streng bestraften Hinterteile. „Das wird euch hoffentlich eine Lehre sein, so einen Unsinn nie wieder zu treiben!“, mahnte sie der Zugbegleiter streng. „Nie wieder! Versprochen!“, stammelten die drei, während sie ihre schmerzenden Hinterteile rieben.
Zufrieden nickte der Zugbegleiter, dann kontaktierte er den Zugführer. „Das Problem ist beseitigt, wir können gleich starten. Ich gebe dir Bescheid.“ Dann rief er durch die Menge. „Wer will alles zum Fußballspiel?“ Stimmen wurden laut und der Großteil der Passagiere meldete sich. „In Ordnung, ich kläre das.“, meinte er lächelnd, dann verschwand er.
Kurz darauf erfolgte eine Durchsage, dass sich die Türen gleich für alle Fußballfans öffnen würde, die sich bitte vorsichtig auf den weg zum Stadion machen dürften. Dies wäre eine einmalige Ausnahme, aufgrund der heutigen besonderen Umstände. Die restlichen Passagiere könnten im Zug verbleiben, der gleich weiterfahren würde. Die Menge jubelte, selbst Tom, Jason und Patrick freuten sich, trotz ihrer schmerzenden Sitzflächen, dass sie das Spiel doch noch erleben würden. Schnell stellten sie sich vor der nächsten Tür auf.
Als sie den Zug verließen, füllten sich die Straßen mit Menschen, die lachten, riefen und die Luft mit der Begeisterung füllten, die nur der Fußball kennt. Tom, Jason und Patrick schnallten sich die Jacken fester um, zogen die Kapuzen hoch und verschwanden blitzschnell in der Menge. Im Stadion angekommen, überließen sie ihr Sitzplätze einigen anderen Fans und stellten sich stattdessen an die Brüstung gelehnt, bei den Stehplätzen, ein Stück daneben auf. So erlebten sie ein spannendes Spiel. Wer ihre Strafe nicht direkt miterlebt hatte, ahnte nichts von ihren brennenden Hinterteilen unter den Hosen. Nur ein verstohlenes Reiben ab und zu und ein kurzes Zusammenzucken und Verziehen des Gesichtes, wann immer sie irgendwo rückwärts aneckten, wiesen Kenner darauf hin.
Als der Schlusspfiff nahte, wusste jeder von ihnen, dass dieses Auswärtsspiel mehr war als nur ein Spiel. Es war ein Band, das sie noch enger zusammengeschweißt hatte, eine Erinnerung daran, warum sie den Fußball so liebten: nicht nur wegen der Tore, sondern wegen der Momente, in denen sie gemeinsam durchs Feuer gegangen waren, egal wie lange der Weg war.



Ein Kommentar
Robbie
Für mich eine unglaublich gut geschriebene und aufregende Geschichte!
Ein wenig wirkt es wie ein mittelalterliches Straftribunal, das geschickt in die Neuzeit verfrachtet wurde. Toll gemacht!
Und die aufgebrachte Stimmung von eingefleischten Fussballfans, die wegen einer völlig unnötigen Dummheit beinah ihr Spiel verpassen zu 100 Prozent nachvollziehbar und realistisch.
Eine echt geile und kreative Idee, Kompliment!
Das Skandieren nach Zugaben bei der Tracht Prügel passte für mich sowohl zur aufgebrachten Stimmung der Leute, als auch zu Fußballfans allgemein. Und es hat auch bei mir beim Lesen, etwas bei mir gemacht. 😉