U19 football players in red and black uniforms interacting with fans behind a barrier
Fm-Spanking

Die Fußballtrainerin IV

..Fortsetzung zu: „Die Sportwette“

Am Abend lag schwere Stille über dem Internat der Sportschule Adlerfels. Normalerweise hörte man irgendwo Gelächter, Musik aus irgendwelchen Zimmern oder das dumpfe Poltern eines Fußballs gegen eine Wand. Doch nach dem Vorfall wirkte alles gedämpft.

Philipp lag allein auf seinem Bett, die Hände ineinander verkrampft. Jede Bewegung erinnerte ihn an die Konsequenzen seines Verrats. Es klopfte. Noch bevor er antworten konnte, öffnete sich die Tür einen Spalt breit. Fräulein Hartmann trat ein. In der Hand hielt sie eine kleine Tube und ein frisches Handtuch. Ihre Stimme war sachlich. „Desinfizierende Salbe. Zweimal täglich.“ Philipp nickte beschämt. „Danke.“ Sie legte die Tube neben ihn. Für einen Moment wirkte sie weniger streng als sonst. Müde vielleicht. Enttäuscht. „Du hast Talent, Philipp“, sagte sie ruhig. „Mehr als viele andere hier. Deshalb macht mich das so wütend.“ Er senkte den Blick. „Ich weiß.“ Fräulein Hartmann fuhr fort. „Talent allein reicht nicht. Charakter entscheidet, wer Profi wird.“ Damit drehte sie sich um und verließ das Zimmer.

Philipp blieb lange regungslos sitzen. Erst später schleppte er sich ins Bad des Flurs. Das Neonlicht war grell, die Fliesen kalt unter seinen Füßen. Vorsichtig schloss er die Tür hinter sich und stellte sich vor den Spiegel. Langsam zog er die Shorts herunter. Er verzog sofort das Gesicht. Sein Gesäß war dunkelrot verfärbt, an mehreren Stellen bereits blau und violett angelaufen. Die Haut war geschwollen und gespannt, jede Berührung brannte unangenehm. Für einen Augenblick überlegte er, die Salbe einfach liegenzulassen. Doch schließlich drückte er etwas Creme auf die Finger und begann vorsichtig, sie einzureiben. „Scheiße…“ Er biss die Zähne zusammen. Selbst die sanfte Berührung fühlte sich an wie Feuer auf der Haut. Immer wieder musste er abbrechen und Luft holen. Als er fertig war, stand ihm der Schweiß auf der Stirn. Die Nacht wurde kaum besser. An Schlaf war fast nicht zu denken. Auf dem Rücken liegen war unmöglich, auf der Seite kaum auszuhalten. Schließlich blieb nur die Bauchlage, unbequem und verkrampft. Immer wieder wachte er auf. Immer wieder kamen die Bilder des Spiels zurück. Der absichtlich verschossene Torschuss. Der Jubel der Gegner. Die Gesichter seiner Mannschaft. Und der enttäuschte Blick seiner Trainerin.

Am nächsten Morgen hing grauer Nebel über den Trainingsplätzen. Philipp zog seine engen Fußballshorts langsam hoch und presste die Lippen zusammen. Schon der Stoff auf der empfindlichen Haut ließ ihn zusammenzucken. Jeder Schritt erinnerte ihn an die Strafe vom Vortag. Im Speisesaal wurde es still, als er eintrat. Nicht komplett still. Aber dieses kurze Stocken, dieses heimliche Beobachten. Er nahm sich wortlos ein Tablett und setzte sich vorsichtig an den Tisch der Mannschaft. Ganz vorsichtig. Trotzdem zuckte er leicht zusammen. David bemerkte es sofort, sagte aber nichts. Einige sahen ihn mitleidig an. Andere noch immer kalt und enttäuscht. Marc würdigte ihn kaum eines Blickes. Philipp akzeptierte es. Er hatte es verdient. Beim Training wurde es noch schlimmer. Die ersten Sprints ließen den Schweiß unter den Shorts brennen wie Salz in einer offenen Wunde. Nach wenigen Minuten fühlte es sich an, als würde die gereizte Haut bei jeder Bewegung aufreißen. Doch Philipp sagte kein Wort. Kein Jammern. Keine Ausreden. Fräulein Hartmann beobachtete alles mit verschränkten Armen. „Schneller, Philipp!“ Er nickte. „Ja, Fräulein Hartmann!“

„Nochmal!“ Er rannte. Beim Krafttraining zitterten ihm die Beine. Beim Ausdauerlauf wurde ihm schlecht. Trotzdem machte er weiter. Und am Abend blieb er länger auf dem Platz als alle anderen. Allein. Flanken. Sprints. Pässe gegen die Betonwand. Tag für Tag. Langsam änderte sich etwas. Zuerst waren es nur Kleinigkeiten. David gab ihm wieder einen Pass im Training. Marc hörte auf, ihn zu ignorieren. Beim Abendessen setzte sich irgendwann jemand wieder neben ihn. Und Philipp arbeitete weiter. Doppelt so hart wie alle anderen. Vielleicht aus Schuld. Vielleicht aus Angst. Vielleicht, weil er begriffen hatte, dass Talent tatsächlich nicht genügte und das seine letzte Chance war. Mit der Zeit verblassten die blauen Flecken. Die Schmerzen verschwanden. Das Misstrauen ebenso. Das verlorene Spiel blieb zwar ein dunkler Fleck in der Geschichte der Mannschaft — aber irgendwann sprach niemand mehr darüber. Nicht weil es vergessen war. Sondern weil Philipp jeden einzelnen Tag bewiesen hatte, dass er aus seinem Fehler gelernt hatte. Und Fräulein Hartmann? Die sagte nie wieder ein Wort darüber. Aber als Philipp Wochen später beim entscheidenden Spiel den Siegtreffer vorbereitete, sah sie ihn kurz an und nickte einmal. Für jemanden wie sie war das fast schon Anerkennung.

Ein paar Monate später kämpfte die Sportschule Adlerfels erneut um alles. Diesmal ging es nicht nur um Punkte oder Tabellenplätze. Es ging um Stolz. Das Derby gegen die Sportschule Falkenried war seit Jahren das wichtigste Spiel der Saison. Scouts saßen auf der Tribüne, ehemalige Spieler kamen zum Zuschauen und beide Schulen behandelten das Duell beinahe wie ein Finale. Schon beim Aufwärmen lag Spannung in der Luft.

Die Fans von Falkenried waren zahlreich angereist. Trommeln hallten über den Platz, Fahnen wehten hinter dem Tor und jedes Mal, wenn ein Spieler von Adlerfels den Ball berührte, brandete ein gellendes Pfeifkonzert auf. „Na los, Adlerküken!“, rief jemand von der Tribüne. „Hartmanns Welpen!“ Gelächter. Philipp versuchte zunächst, es zu ignorieren. Auch Marc grinste nur müde. Doch die Kommentare wurden schlimmer. „Hey, Nummer acht! Wieder auf die Niederlage gewettet?!“ Einige Falkenried-Fans lachten laut. Philipps Gesicht spannte sich sofort an. David drehte sich zur Tribüne. „Haltet doch eure Fresse!“ Sofort kamen neue Pfiffe. „Ohhh, da wird einer sauer!“ Marc hob provokant den Mittelfinger, bevor der Schiedsrichter ihn scharf ermahnte. Und genau dort begann das Spiel ihnen zu entgleiten. Adlerfels spielte nervös. Unkonzentriert. Philipp vertändelte einfache Bälle. David diskutierte nach jedem Zweikampf mit dem Schiedsrichter. Marc ließ sich zu unnötigen Dribblings hinreißen, verlor den Ball und blieb anschließend stehen, um mit den Fans zu streiten. Von den Rängen kam höhnisches Gelächter. „Das sollen Talente sein?!“, rief einer. „Hartmann trainiert wohl Kreisliga!“ Die Provokationen fraßen sich langsam in die Köpfe der Spieler. Fehlpässe. Ballverluste. Missverständnisse. Nach dreißig Minuten lagen sie bereits 0:2 hinten. Fräulein Hartmann stand an der Seitenlinie, regungslos wie eine Statue. Nur wer sie kannte, bemerkte die gefährliche Spannung in ihrem Gesicht.

Als der Halbzeitpfiff ertönte, marschierte die Mannschaft schweigend in die Kabine. Kaum war die Tür geschlossen, explodierte die Stimmung. „Warum diskutierst du dauernd mit den Fans?!“, fuhr Jonas David an. „Weil diese Idioten—“ Jonas unterbrach ihn. „Dann ignorier sie doch!“ David verdrehte die Augen und sah ihn wütend an. „Ach halt doch die Klappe!“ Marc trat wütend gegen eine Getränkekiste. „Die provozieren seit Beginn!“ Leon schrie dazwischen. „Und ihr fallt drauf rein wie Kinder!“ Philipp saß still auf der Bank, die Hände im Gesicht vergraben. Fräulein Hartmann ließ die Stimmen einen Moment laufen. Dann trat sie langsam in die Mitte der Kabine. „Ruhe.“ Niemand hörte sofort. „RUHE!“ Diesmal verstummten alle. Man hörte nur noch das schwere Atmen der Spieler und entfernt die Gesänge der gegnerischen Fans draußen. Fräulein Hartmann sah jeden Einzelnen an. „Ihr verliert dieses Spiel nicht gegen Falkenried.“ Ihre Stimme war ruhig. Viel zu ruhig. „Ihr verliert gegen eure eigenen Köpfe.“ Keiner sagte etwas. Sie deutete zur Tür. „Die Fans dort draußen wollen genau das erreichen. Sie wollen euch wütend machen. Unkonzentriert. Und ihr helft ihnen auch noch dabei.“ Marc schnaubte. „Die beleidigen uns die ganze Zeit.“ Fräulein Hartmann sah ihn an. „Und?“ fragte sie kalt. „Willkommen im Erwachsenenfußball.“ David verschränkte die Arme. „Irgendwann reicht’s halt.“ Seine Trainerin trat einen Schritt näher. „Nein.“ Ihre Augen wurden hart. „Es reicht erst, wenn der Schiedsrichter abpfeift.“ Stille. Dann blickte sie direkt zu Philipp. „Du weißt besser als jeder andere hier, was passiert, wenn man die Kontrolle verliert.“ Philipp nickte langsam. „Ja, Fräulein Hartmann.“ Sie sah wieder in die Runde. „Gut. Also hört mir jetzt genau zu.“ Ihre Stimme blieb ruhig, aber jeder im Raum spürte die Warnung darin. „Wenn ihr euch in der zweiten Halbzeit noch einmal provozieren lasst… dann wird es Konsequenzen geben.“ Niemand fragte nach welchen. Das musste niemand. Denn jeder in dieser Kabine wusste inzwischen, dass Fräulein Hartmann niemals drohte, ohne es ernst zu meinen. Draußen wurde der Lärm der Falkenried-Fans wieder lauter. Sie deutete zur Tür. „Jetzt geht raus. Und spielt endlich Fußball.“

Nach Fräulein Hartmanns Ansprache liefen die Spieler schweigend zurück auf den Platz. Die kalte Luft fühlte sich scharf in den Lungen an, die Flutlichter spiegelten sich auf dem feuchten Rasen und von der Gegengerade dröhnten weiterhin die Gesänge der Falkenried-Fans herüber. Doch diesmal wirkte Adlerfels zunächst wie ausgewechselt. Konzentrierter. Aggressiver — aber kontrolliert. Philipp spielte plötzlich einfache, sichere Pässe. David gewann Zweikämpfe, ohne zu diskutieren. Selbst Marc hielt sich zurück und arbeitete diszipliniert nach hinten. Und es zahlte sich aus. In der 54. Minute eroberte Philipp im Mittelfeld den Ball und leitete schnell weiter auf Jonas. Zwei Kontakte später lag der Ball im Netz. 1:2. Zum ersten Mal wurde es auf der Tribüne kurz still. „Weiter jetzt!“, schrie Leon. „Die brechen auseinander!“ Adlerfels drückte weiter. Die Zweikämpfe wurden härter, die Stimmung lauter. Jeder Ballgewinn wurde gefeiert, jede Entscheidung des Schiedsrichters ausgebuht. Dann fiel tatsächlich der Ausgleich. Eine scharfe Ecke von David, Chaos im Strafraum und Philipp stocherte den Ball über die Linie. 2:2. Die Spieler von Adlerfels schrien ihre Erleichterung heraus. Selbst Fräulein Hartmann erlaubte sich ein kurzes Nicken.

Doch die Ruhe hielt nicht lange. Denn die Falkenried-Fans machten einfach weiter. „Na los, Wettkönig!“, kam es aus dem gegnerischen Block. „Nur zwei Tore? Schwach!“ Immer wieder Gelächter. „Hartmanns Zirkus!“, grölte ein anderer. Immer wieder Pfiffe. Die Stimmung auf dem Platz wurde giftiger mit jeder Minute. Und Marc begann erneut die Kontrolle zu verlieren. Nach einem harten Zweikampf blieb ein Falkenried-Spieler extra lange liegen und grinste dabei provokant zu ihm hoch. Da platzte Marc der Kragen. Beim nächsten Angriff rauschte er viel zu spät in seinen Gegenspieler hinein. Ein brutales Foul. Der Pfiff kam sofort. Die Fans explodierten vor Entrüstung. „ROT! ROT! ROT!“, brüllten sie von der Tribüne. Der Schiedsrichter blieb bei Gelb — aber zeigte auf den Punkt. Elfmeter. Marc hob sofort die Arme. „Das ist niemals ein Elfer!“ Doch es half nichts. Der Schütze von Falkenried verwandelte sicher. 2:3. Die Adlerfels-Spieler sanken sichtbar in sich zusammen. Von der Tribüne kam nur noch Spott. „Danke, Marc!“ und „Bester Mann von Falkenried!“ Fräulein Hartmann stand regungslos an der Seitenlinie. Aber ihr Blick auf Marc war eiskalt. Die Partie drohte endgültig zu kippen. Dann die nächste Szene. David zog mit Tempo in den Strafraum, wurde klar am Fuß getroffen und stürzte. Adlerfels schrie sofort auf. „ELFMETER!“ Doch der Schiedsrichter winkte weiter. Für einen Moment war alles still. Dann rastete Marc komplett aus. „Bist du blind?!“ Er rannte auf den Schiedsrichter zu. „Das ist ein verdammter Witz!“ Jonas ging sofort dazwischen und rief: „Marc, hör auf!“. Doch zu spät. „Ihr pfeift doch nur für diese Idioten da drüben!“ Der Schiedsrichter griff ohne Zögern in die Tasche. Rot. Absolute Stille bei Adlerfels. Dann explodierte die Tribüne von Falkenried vor Freude. Marc blieb wie versteinert stehen. „Was?!“ Der Schiedsrichter baute sich vor ihm auf. „Runter vom Platz“, sagte er kalt. Marc trat wütend gegen eine Wasserflasche und stapfte zur Bank. Die gegnerischen Fans direkt hinter ihm genossen jede Sekunde. „Tschüüüss, Superstar!“, hörte er sie rufen. „Heul doch!“, setzte ein anderer noch einen drauf. „Hartmann liebt sowas bestimmt!“ Marc setzte sich schwer atmend auf die Ersatzbank, die Hände in den Haaren verkrampft. Jeder weitere Kommentar von den Rängen machte ihn nur noch wütender.

Auf dem Feld brach Adlerfels auseinander. Zu zehnt fehlte plötzlich jede Ordnung. Pässe wurden hektisch gespielt. Die Abwehr stand offen. Niemand sprach mehr miteinander. Falkenried nutzte es gnadenlos aus. 2:4. Kurz vor Schluss sogar noch das 2:5. Mit jedem Treffer wurden die Gesänge der gegnerischen Fans lauter. Als der Schlusspfiff endlich kam, fühlte sich die Niederlage schlimmer an als jede zuvor. Die Falkenried-Spieler feierten vor ihrer Kurve. Adlerfels dagegen schleppte sich schweigend Richtung Seitenlinie. Fräulein Hartmann wartete bereits. „Auslaufen. Jetzt.“ Keiner widersprach. Die Spieler trabten mit müden Beinen um den Platz. Der Regen hatte wieder eingesetzt, kalt und unangenehm. Doch selbst jetzt hörten die Provokationen nicht auf. Einige Falkenried-Fans standen direkt am Rand. „Na, Hartmanns Elite?“, rief einer und lachte laut. „Vielleicht lieber Ballett statt Fußball!“, stimmte ein anderer ihm zu. „Hey Marc — nächstes Mal direkt zuschlagen!“ Gelächter. Marc versuchte zuerst, weiterzulaufen. Doch dann rief jemand: „Kein Wunder, dass Hartmann euch wie Kinder behandelt!“ Da blieb Marc abrupt stehen. Seine Schultern spannten sich an. Jonas bemerkte es sofort. „Marc… lass es.“ Aber Marc hörte schon nicht mehr zu. Langsam drehte er sich zum Zaun um. Seine Augen brannten vor Wut. Und diesmal sah selbst Philipp sofort: Jetzt würde es eskalieren.

Marc machte einen Schritt auf den Zaun zu, die Fäuste geballt. „Wiederhol das nochmal, du Affe!“  Seine Stimme überschlug sich beinahe vor Wut. Der Falkenried-Fan grinste nur provozierend und trat direkt an den Zaun heran. „Oder was?“ Mehrere seiner Freunde kamen sofort dazu, grölend und lachend. Auf beiden Seiten blieb das Auslaufen abrupt stehen. Spieler drehten sich um, Trainer schrien durcheinander, Ordner setzten sich bereits in Bewegung. Doch es war zu spät. Marc packte den Fan plötzlich am Kragen, zog ihn gegen das Gitter und hob die Faust. Dann eskalierte alles gleichzeitig. Jemand schubste Marc von hinten. Ein anderer griff nach seinem Arm. Die Fans hinter dem Zaun schrien plötzlich wild durcheinander. Hände griffen durch die Streben, jemand schlug zu, jemand stolperte. Jonas rannte sofort hin. „Marc, hör auf!“ Doch im nächsten Moment bekam er selbst einen Ellenbogen ins Gesicht. Philipp und David stürzten ebenfalls dazu, Leon direkt hinterher. Innerhalb weniger Sekunden war aus dem Streit eine chaotische Prügelei geworden. Schubsen. Schreie. Faustschläge. Ein zerbrochener Plastikbecher flog durch die Luft. Philipp taumelte zurück, Blut lief aus seiner Nase. David kassierte einen Treffer am Auge, Leon hielt einen Fan am Zaun fest, während Jonas versuchte, Marc zurückzureißen. Von allen Seiten schrien Leute. Dann stürmten endlich die Ordner dazwischen. Mit Mühe trennten sie die Gruppen voneinander. Mehrere Falkenried-Fans wurden zurückgedrängt, Spieler von Adlerfels festgehalten. Marc rang noch immer nach Luft, vollkommen außer sich.

Und genau in diesem Moment trat Fräulein Hartmann vor ihn. Still. Eiskalt. „In die Kabine. Sofort!“ Ihre Stimme war leise. Gerade deshalb traf sie härter als jedes Schreien. Marc erstarrte sofort. Die Wut verschwand aus seinem Gesicht wie ausgelöscht. Stattdessen breitete sich etwas anderes darin aus. Er wusste genau, was jetzt kommen würde. Langsam blickte er sich um. David hielt sich das geschwollene Auge. Philipp wischte sich das Blut unter der Nase weg. Jonas atmete schwer. Leon starrte nur schweigend auf den Boden. Ohne ein Wort setzten sie sich in Bewegung und folgten Fräulein Hartmann ins Stadiongebäude. Der Weg zur Kabine war still. Nur ihre Schritte hallten durch den Betonflur. Als die Tür hinter ihnen zufiel, blieb Fräulein Hartmann einen Moment reglos stehen. Dann sagte sie knapp: „Aufstellen.“ Die fünf stellten sich sofort nebeneinander auf. „Umdrehen. Hände an die Wand.“ Keiner zögerte. Sie wussten alle, was gemeint war. An der Seitenwand der Kabine hing das breite Holzpaddle, das Fräulein Hartmann seit Jahren benutzte, wenn einfache Strafläufe oder Zusatztraining nicht mehr ausreichten. Sie nahm es ruhig von der Halterung. „Ihr wisst, was jetzt kommt.“

„Ja, Fräulein Hartmann“, antworteten die fünf wie aus einem Mund. Ihre Mitspieler standen schweigend im Raum verteilt. Niemand sprach. Niemand wagte sich zu bewegen. Man hörte nur das entfernte Rauschen der Duschen aus der Nachbarkabine und den Regen draußen gegen die Fenster schlagen. Fräulein Hartmann trat hinter die Reihe. Ihre Stimme blieb ruhig. „Was heute passiert ist, war beschämend.“, begann sie ihre Strafpredigt und holte aus. Das Paddle schlug hart auf. Marc zuckte sofort zusammen und biss die Zähne fest aufeinander. „Ihr seid Fußballspieler. Keine Straßenschläger.“, fuhr Fräulein Hartmann fort und trat einen Schritt zur Seite. Der nächste Schlag folgte. „Aaaah.“, stöhnte David, neben Marc, auf und presste die Stirn gegen die Wand. Wieder ein Schlag. „Umpf.“ Philipp kniff die Augen zusammen, seine Schultern spannten sich an. Fräulein Hartmann ließ zwischen jedem Satz kurze Pausen. Kurze Momente, in denen ihre Worte schwerer wirkten als die eigentliche Strafe. „Provokationen gehören zum Sport.“ Wieder holte sie aus. „Aargh.“ Leon atmete scharf aus. „Druck gehört zum Sport.“, erläuterte Fräulein Hartmann weiter und trat zu Jonas. „Beleidigungen gehören leider ebenfalls dazu.“  Jonas schloss kurz die Augen. Mit einem lauten Klatschen traf das schwere Eichenholzpaddle in quer über beide Backen. „Au.“, rief er überrascht vor Schmerz. Als Fräulein Hartmann schon erneut den Arm hob. „Jau.“, jaulte er auf und zuckte zur Seite. „Stehen bleiben.“, ermahnte ihn seine Trainerin und er gehorchte. Dann trat sie zurück neben Leon. „Aber wer die Kontrolle verliert…“ Der nächste Schlag kam härter. „Auuu.“ Leon´s Hüfte schnellte nach vorn durch die Wucht des Schlages. „…verliert das Recht, Verantwortung zu tragen.“ So ging es weiter. Fräulein Hartmann trat von einem zum Nächsten und schlug unbarmherzig zu. Wieder und wieder drehte sie ihre Runde, bis das erste Dutzend voll war und jeder der fünf, zwölf feste Hiebe mit dem Holzpaddle erhalten hatte.

Fräulein Hartmann trat einen Schritt zurück. „Hosen runter.“, befahl sie. Die Fünf sahen sich untereinander an, keiner wagte zu widersprechen. Langsam folgten sie der Aufforderung, rieben dabei verstohlen über ihre brennenden Hinterteile. Mit heruntergezogenen Hosen standen sie aufgereiht mit dem Gesicht zur Wand. „Die Unterhosen auch.“, vernahmen sie streng von ihrer Trainerin, die ungeduldig hinter ihnen auf und ab schritt. Ein Raunen ging durch die Kabine, die anderen Spieler hoben die Augenbrauen und sahen sich vielsagend an. Auch Marc, David, Philipp, Leon und Jonas erstarrten einen Moment. Doch eigentlich war es klar gewesen, jede Strafe von Fräulein Hartmann endete bisher auf dem Blanken. Warum sollte es also heute anders sein? Mit einem Seufzen folgten sie auch dieser Anweisung und nahmen erneut ihre Position ein. Schweigend standen die fünf mit den Händen an der Wand. Die Luft in der Kabine war stickig, voller Schweißgeruch, nasser Kleidung und angespannter Stille. Hinter ihnen hielt Fräulein Hartmann das schwere Holzpaddle in der Hand. Keiner drehte sich um. Keiner sagte etwas. Die übrigen Spieler beobachteten das Geschehen wie erstarrt. Manche wirkten betroffen, andere noch immer aufgewühlt vom Spiel und der Prügelei draußen. Doch selbst die Lautesten der Mannschaft wagten jetzt kein Wort mehr.

Fräulein Hartmann trat langsam hinter Marc. „Du zuerst. Hintern raus.“ Marc schluckte hart. „Ja, Fräulein Hartmann.“ Der erste Schlag krachte laut durch die Kabine. Marc spannte sofort den ganzen Körper an, presste die Hände gegen die Wand und sog scharf die Luft ein. Fräulein Hartmann wartete einen Moment. „Was war meine Ansage in der Halbzeit?“, fragte sie ihn streng. „Ruhig bleiben…“, antwortete er keuchend nach dem nächsten Treffer. „Lauter.“, forderte sie ihn auf. „Ruhig bleiben und sich nicht provozieren lassen!“ Der nächste Schlag folgte unmittelbar. Marc verzog schmerzhaft das Gesicht. „Und was hast du getan?“, hakte sie nach. „Mich provozieren lassen…“ Sie nickte. „Du hast die Kontrolle verloren!“ Wieder traf das Paddle hart auf. Marc stöhnte laut auf. „Erst dieses idiotische Foul.“, fuhr Fräulein Hartmann fort. Ein weiteres lautes Klatschen ertönte. „Aaaah.“, jammerte Marc laut, der Schlag hatte gesessen. „Dann deine Diskussionen mit dem Schiedsrichter.“ Erneut traf ihn das harte Holz auf beide Backen. Er warf den Kopf in den Nacken und drückte das Kreuz durch. „Jau. Aaah.“, jammerte er und holte tief Luft. Schon traf ihn das Paddle erneut. „Und schließlich diese rote Karte!“ Der nächste Schlag ließ Marc sichtbar zusammensacken. „Aaahaha.“ Stöhnend richtete er sich wieder auf und drückte die Knie durch. Fräulein Hartmanns Stimme blieb kontrolliert, aber jeder einzelne Satz traf präzise. „Du warst nicht irgendein Spieler heute.“, sagte sie und schlug schwungvoll zu. „Aaauh.“, jammerte Marc immer lauter. „Du warst Führungsspieler.“ Der nächste Treffer folgte und Marc trat einen Schritt nach vorn durch die Wucht des Schlages. „Oooh.“, stöhnte er und japste nach Luft. „Und du hast deine Mannschaft im Stich gelassen.“ Marc biss die Zähne fest zusammen. Seine Augen waren geschlossen, die Stirn gegen die Wand gepresst. „Wegen dir mussten deine Mitspieler fast dreißig Minuten in Unterzahl spielen.“ Wieder ging ein lautes Klatschen durch die Kabine, gefolgt von Marcs Aufstöhnen. „Wegen dir ist das Spiel komplett gekippt.“, schimpfte Fräulein Hartmann weiter und holte erneut aus. Klatsch. „Und selbst danach hast du nichts gelernt!“ Der nächste Schlag war härter als die vorherigen. „Aaauuh.“, jaulte Marc auf und schlug mit der Faust frustriert gegen die Wand. „Du prügelst dich mit Fans wie irgendein betrunkener Idiot vor einer Kneipe!“ Wieder traf ihn das harte Eichenholz. Marc keuchte laut auf. „Es tut mir leid, Fräulein Hartmann…“, rief er verzweifelt und sah über seine Schulter zu seiner Trainerin. „Reicht das?“, fragte sie kalt. „Nein…“, antwortete er niedergeschlagen. „Nein, das reicht nicht.“, stimmte Fräulein Hartmann ihm zu. Wieder erfolgte ein Schlag und Marc wippte mit der Hüfte nach vorn. „Autsch.“, hörte man ihn jammern. „Streck den Hintern raus.“, ermahnte ihn seine Trainerin. „Talent bringt dir gar nichts, wenn du dich nicht beherrschen kannst.“ Einmal mehr traf ihn der nächste Schlag und er kniff die Augen zusammen und warf den Kopf in den Nacken. „Ein Profi muss unter Druck funktionieren.“, fuhr Fräulein Hartmann fort und schlug erneut schwungvoll zu. „Nicht zusammenbrechen.“ Mit diesen Worten erhielt er den letzten Hieb und jaulte stöhnend auf. Mit schmerzverzerrtem Gesicht hielt er seine brennenden Backen, die dick geschwollen und tiefrot verfärbt waren. Erst nach einer langen Pause trat Fräulein Hartmann einen Schritt weiter. Marc atmete schwer, sagte aber nichts mehr.

Dann stand sie hinter David. „Und du.“, begann sie. David spannte sich sichtbar an. „Seit Wochen diskutierst du bei jeder Entscheidung.“, tadelte ihn Fräulein Hartmann und hob den Arm. „Aaah.“ Der Schlag ließ ihn zusammenzucken. „Du verschwendest Energie mit Beschwerden statt mit Fußball.“, fuhr sie fort und schlug erneut zu. „Du glaubst immer, du wirst unfair behandelt.“, sagte sie geladen und holte aus. Ein lautes Krachen, gefolgt von einem schmerzerfüllten Aufschrei von David ertönte. „Aber weißt du, was wirklich unfair ist?“ Sie wartete kurz. Schlug dann aber doch ein weiteres Mal zu, ohne seine Antwort abzuwarten. „Dass deine Mitspieler deine Fehler ausbügeln müssen.“ Noch zweimal knallte das Holzpaddle unbarmherzig auf seine herausgestreckten Backen. „Auuuhuhu.“, heulte David auf und senkte den Kopf. „Ja, Fräulein Hartmann…Kommt nicht wieder vor.“, versicherte er. Zufrieden sah Fräulein Hartmann, wie seine geröteten Backen zitterten. Dann trat sie einen Schritt weiter.

Bei Philipp blieb ihre Stimme anders. Härter enttäuscht als wütend. „Ich dachte eigentlich, dass du gelernt hast, wohin Kontrollverlust führt.“, startete sie ihre Ansage und holte weit aus. Der Schlag traf, Philipp biss sofort die Lippen zusammen. „Aaargh.“ Wieder hallte ein lautes Klatschen durch die Kabine und Philipp sog hörbar die Luft ein und schloss die Augen. Dann fuhr sie fort. „Und trotzdem rennst du wieder kopflos in eine Eskalation.“ Wieder schlug sie zu. „Du wolltest doch Vertrauen zurückgewinnen.“, erinnerte sie ihn an sein Versprechen und schüttelte den Kopf. Die nächsten, festen Hiebe kamen in schneller Folge. „Aaauuhuhu,.“, jaulte Philipp auf. „So zerstört man es wieder.“ Philipp nickte nur stumm und rieb seine wunden Backen.

Leon bekam seine Strafe für das Mitziehen in die Prügelei. „Ein kluger Spieler schlichtet.“, begann Fräulein Hartmann und holte aus. Das Paddle krachte auf seine Kehrseite und Leon stöhnte auf. „Er gießt kein Öl ins Feuer.“, belehrte ihn seine Trainerin weiter und gab auch ihm sechs Hiebe auf den Blanken, wie Phlipp und David zuvor. Jonas schließlich traf es vergleichsweise milde, doch auch ihn verschonte sie nicht. „Und du solltest als Kapitän deeskalieren. Nicht mitkämpfen.“, ermahnte sie ihn und schlug zu. „Aaah.“, jammerte Jonas laut und stöhnte bei jedem weiteren Treffer. Auch er hielt durch. Nur sein schweres Atmen und das dumpfe Geräusch des Paddles waren zu hören. Dann hatte auch er es geschafft.

Als die Strafe schließlich vorbei war, blieb es still. Am Schwersten wogen letztlich nicht die Schläge. Sondern Fräulein Hartmanns Worte. Denn jeder einzelne von ihnen wusste, dass sie recht hatte. Fräulein Hartmann trat wieder hinter die Reihe. Die fünf standen schwer atmend an der Wand, die Gesichter gerötet, die Muskeln angespannt. Fräulein Hartmann legte das Paddle langsam zurück an seinen Platz. Dann sagte sie ruhig: „Dreht euch um und zieht euch an.“ Langsam gehorchten sie. Mit zusammengebissenen Zähnen und schmerzverzerrten Gesichtern zogen sie ihre engen, verschwitzten Shorts über ihre wunden Hintern. Marc wirkte blass. David hielt den Kiefer angespannt. Philipp vermied jeden Blickkontakt. Fräulein Hartmann sah sie der Reihe nach an. „Seht euch an.“ Niemand hob den Blick. „Talentierte Spieler. Gute Fußballer.“ Sie deutete Richtung Tür. „Und heute habt ihr euch benommen wie dumme Kinder.“ Keiner widersprach. „Die Fans dort draußen haben euch gelenkt wie Marionetten.“ Diese Worte trafen sichtbar. „Und genau deshalb steht ihr jetzt hier.“ Marc schluckte schwer. „Es tut mir leid, Fräulein Hartmann…“ Diesmal klang es ehrlich erschöpft. „Mir auch“, sagte David leise. Nach und nach entschuldigten sich alle fünf. Nicht aus Angst. Sondern ehrlich. Fräulein Hartmann sah sie lange an, dann nickte sie langsam. „Gut.“ Dann deutete sie Richtung Duschen. „Ab unter die Duschen. Ich hoffe, ihr habt eure Lektion gelernt.“ Die fünf nickten und verschwanden schweigend Richtung Duschräume, während die übrige Mannschaft still zurückblieb. Niemand machte Witze. Niemand grinste. Denn jeder in dieser Kabine hatte verstanden, wie schmal der Grat zwischen Leidenschaft und Kontrollverlust sein konnte.

Unter den Duschen herrschte zunächst Schweigen. Nur das Rauschen des Wassers erfüllte den Raum. Die fünf standen mit einigem Abstand voneinander unter den warmen Strahlen, erschöpft vom Spiel, der Prügelei und den Konsequenzen danach. Langsam wich die aufgeheizte Wut des Abends einer dumpfen Müdigkeit. Marc drehte sich um und verzog plötzlich scharf das Gesicht. „Verdammt—“ Er drehte den Hahn hastig kälter, als das heiße Wasser auf die empfindliche Haut seiner Kehrseite traf. „Das brennt ja wie Feuer.“ David schnaubte trocken. „Selber schuld.“ Marc warf ihm einen Blick zu, der diesmal jedoch völlig ohne Aggression war. Eher resigniert. Philipp lehnte sich vorsichtig gegen die Fliesen und verzog ebenfalls das Gesicht. „Nicht so fest anlehnen“, murmelte er. „Großer Fehler.“ Jonas musste trotz allem kurz lachen. „Wir sehen wahrscheinlich aus wie fünf Idioten.“ Alle nickten. „Tun wir auch“, meinte Leon. Langsam lockerte sich die Stimmung etwas. Der Adrenalinschub ebbte ab und übrig blieb die Erkenntnis, wie vollkommen sie die Kontrolle verloren hatten. David betrachtete kritisch die beiden dunkelroten Flecken auf seinem Hinterteil. „Alter… die hat sich heute echt nicht zurückgehalten.“, stöhnte er. „Vor allem bei Marc nicht“, sagte Leon und zeigte auf die blau-violett verfärbten Backen seines Mitspielers. Marc ließ den Kopf gegen die Fliesen sinken. „Ja.“, antwortete er knapp. Niemand widersprach. Für einen Moment hörte man wieder nur Wasserrauschen. Dann sagte Marc leise: „Ich hab’s verbockt.“ Die anderen sahen kurz zu ihm. „Nicht nur die Prügelei. Schon vorher.“ Er schüttelte den Kopf. „Diese rote Karte war komplett bescheuert.“ Jonas nickte langsam. „War sie.“ Marc senkte den Blick. „Tut mir leid.“ Diesmal meinte er es ernst. Nicht trotzig. Nicht halbherzig. Einfach ehrlich erschöpft. Philipp zuckte leicht zusammen, als kaltes Wasser über die noch empfindliche Haut lief. „Wir haben uns alle provozieren lassen.“ David stimmte ihm zu. „Die Hartmann hatte recht“, murmelte er widerwillig. Leon grinste schwach. „Ich kann nicht glauben, dass ich das mal sage… aber ja.“ Nach einigen Minuten drehten sie das Wasser ab.

Als sie zurück in die Kabine kamen, war Fräulein Hartmann bereits gegangen. Das Paddle hing wieder ordentlich an seinem Platz an der Wand, als wäre nichts geschehen. Die übrigen Spieler saßen still auf den Bänken oder packten schweigend ihre Taschen. Marc trat zuerst vor. „Hört mal…“ Mehrere blickten auf. Er fuhr sich nervös durch die nassen Haare. „Tut mir leid wegen heute.“ Stille. Dann nickte Jonas knapp. David entschuldigte sich ebenfalls, danach Leon und Philipp. Selbst die sonst eher schweigsamen Mitspieler merkten, dass die fünf es ernst meinten. Die Wut vom Spiel war langsam verpufft. Übrig blieb nur Erschöpfung. Das Umziehen dauerte ungewöhnlich lange. Jede Bewegung erinnerte schmerzhaft an die Strafe. Beim Hochziehen der Unterhosen verzog Marc sichtbar das Gesicht. Philipp setzte sich nur ganz vorsichtig auf die Bankkante, während David leise fluchte, als der Stoff seiner Jeans die gereizte Haut berührte. „Ich werde heute definitiv nicht auf dem Rücken schlafen“, murmelte Leon. „Ich glaube, niemand von uns“, antwortete Jonas trocken. Schließlich machten sie sich langsam auf den Weg zurück ins Internat. Der Flur war still. Nur ihre Schritte hallten müde über den Boden.

In seinem Zimmer ließ sich Philipp vorsichtig auf den Bauch aufs Bett sinken und atmete tief aus. Beim Blick auf seinen Spind fiel ihm plötzlich etwas ein. Die Salbe. Er stand wieder auf, holte die Tube hervor und verzog schon beim ersten Kontakt mit der wunden Haut das Gesicht. „Ahh… verdammt.“, stöhnte er. Trotzdem rieb er die kühlende Creme vorsichtig ein. Langsam ließ das Brennen etwas nach. Dann hielt er kurz inne. Schließlich nahm er die Tube wieder in die Hand und ging hinaus auf den Flur. Er klopfte zuerst bei Marc. Dieser öffnete nur in Boxershorts und mit äußerst schlechter Laune. „Was?“ Philipp hielt wortlos die Salbe hoch. Marc sah sie an. Dann nickte er dankbar. „Oh. Ja. Definitiv her damit.“ Nach und nach klopften sie auch bei David, Leon und Jonas. Schließlich saßen sie erneut zusammen — diesmal nicht auf dem Fußballplatz oder in der Kabine, sondern verteilt in Marcs Zimmer, halb bäuchlings auf Betten und Stühlen hängend, während die Salbe herumgereicht wurde. Zwischendurch wurde gestöhnt, geflucht und gelegentlich sogar gelacht. „Die Hartmann hätte auch Schreinerin werden können“, murmelte David. „Mit Spezialisierung auf Holzverarbeitung“, ergänzte Leon. Selbst Marc musste kurz grinsen. Dann wurde es wieder ruhiger. Draußen prasselte Regen gegen die Fensterscheiben. Irgendwo im Gebäude hörte man entfernte Stimmen anderer Spieler. Philipp blickte in die Runde. Blaue Flecken. Erschöpfte Gesichter. Wunde Muskeln. Und fünf junge Männer, die an diesem Abend auf harte Weise etwas gelernt hatten. Nicht über Fußball. Sondern darüber, wie schnell Stolz, Wut und Gruppendruck einen vom richtigen Weg abbringen konnten. Am Ende löschte Jonas das Licht, als sie Marcs Zimmer verließen. „Nächstes Derby“, murmelte er in die Dunkelheit, „ignorieren wir die Fans einfach.“  Marc drehte sich vorsichtig auf die Seite und verzog sofort das Gesicht. „Definitiv.“

Ein Kommentar

  • Robbie

    Eine wirklich detailreiche Geschichte, bei der man merkt, dass hier jemand entweder wirklich viel Recherche in Sport und Fussball gesteckt hat oder auch ohnehin wirklich viel damit zu tun hat.

    Für mich waren sämtliche Emotionen total nachvollziehbar. Ich kann verstehen, dass die ständigen Rufe und Beleidigungen der Zuschauer nicht immer leicht zu ignorieren sind.
    Ich verstehe aber auch den Ärger und die Wut der Trainerin, dass das nicht gelungen ist und es schließlich dazu führte, dass sich die halbe Mannschaft in eine Prügelei hat mit hineinziehen lassen, was schlussendlich zu Auflösungserscheinungen und einem schmerzhaftenden Debakel geführt hatte.

    Und naja, für die an den Ausschreitungen betroffenen Spielern hatte es sogar noch deutlich empfindlichere Folgen. Schon eine ziemlich pikante Vorstellung, wie die Trainerin in der Umkleide durchgreift und gleich eine ganze Reihe junger Männer mit nackten Hintern an der Wand aufreiht und mit dem Paddel ihre Meinung kund tut. Man spürt aber beim Lesen, dass ihre Autorität in dem Team so groß ist, dass diese Maßnahme gar nicht in Frage gestellt wird.

    Übrigens fand ich den Einstieg auch ziemlich heiß und gelungen, weil es a) eine gute Überleitung von der letzten Geschichte war und Du b) meiner Erinnerung nach noch nie so ausführlich und treffend über die Folgen einer richtigen Tracht Prügel geschrieben hattest.

    Mir gefiel´s!

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